Ansiedlung von Marvel Fusion im Penzberger Nonnenwald

Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Ansiedlung von Marvel Fusion GmbH – Stand vom 05. November 2020 | ergänzt am 17. November 2020

Unsere Technologie

Wie entstand die Idee für Marvel Fusion und was ist die persönliche Motivation der Gründer?

Das Team von Marvel Fusion glaubt fest daran, dass es die Verantwortung von UnternehmerInnen ist, die großen Probleme der Menschheit mit Wissenschaft und neuen Technologien zu lösen. Bei den aktuell drängenden Fragen für uns alle gab es im letzten Jahrzehnt einfach zu wenig Fortschritt.
Nach wie vor decken hauptsächlich Erdöl, Gas und Kohle unseren Energiebedarf. Doch ihr Verbrauch erhöht den Treibhauseffekt durch klimaschädliche CO2-Emissionen und beschleunigt den Klimawandel, der sich immer rasanter zu einer substanziellen Bedrohung für unsere Welt entwickelt.
Atomkraft hinterlässt auf Jahrmillionen hin schädliche Abfälle. Und alternative Energiequellen wie Wind- und Solarenergie können unseren aktuellen Bedarf derzeit nicht decken.
Deshalb arbeiten wir bei Marvel Fusion an einer Alternative und wollen das saubere und sichere Verfahren der Trägheitsfusion kommerziell nutzbar machen, um den Klimawandel zu stoppen und den nächsten Generationen eine saubere Erde und eine unerschöpfliche CO2-freie Energiequelle zu hinterlassen.

Wie genau funktioniert das neuartige Verfahren von Marvel Fusion?

Bei der von Marvel Fusion konzipierten lasergetriebenen Trägheitsfusion findet eine Fusion von Wasserstoff-Protonen und Bor-Isotopen statt, woraus positive geladene Helium-Teilchen entstehen. Die Energiezufuhr erfolgt über sehr kurz gepulste, hochenergetische Laser. Die Energie der geladenen Teilchen wird induktiv über ein Magnetfeld effizient in elektrischen Strom umgewandelt. Durch das Verfahren entsteht eine CO2-freie, extrem ergiebige Energiequelle. Es fällt kein langlebiger radioaktiver Abfall an. Die Anlage wäre selbst in einem Erdbebengebiet sicher, da sie binnen einer Zehntelsekunde ausgeschaltet werden kann.

Warum ist die Energie von Marvel Fusion klimaneutral?

Beim Verfahren der Energiegewinnung entsteht im Unterschied zu allen anderen fossilen Brennstoffen kein klimaschädliches Kohlendioxid. Zudem wird weder ein großer Materialtransport noch eine Pipelineversorgung benötigt und die Treibstoffe Wasserstoff und Bor liegen als quasi unerschöpflicher Vorrat vor. Wegen des geringen Flächenbedarfs greift das Fusionskraftwerk in Landschaft und Tierwelt nur sehr bedingt ein.

Warum benötigen wir überhaupt eine neue Energiequelle?

Keine der heute verfügbaren Technologien kann den enormen CO2-freien Energiebedarf sicher, klimaschonend, platzsparend und zu adäquaten Kosten mittel- bis langfristig decken. Eine grundlastfähige, hochdichte, komplementäre Energiequelle zu den erneuerbaren Energien muss daher dringend entwickelt werden. Die von Marvel Fusion konzipierte Technologie ist ideal dazu geeignet, die Nachfrage zu wettbewerbsfähigen Strompreisen langfristig zu befriedigen, insbesondere in dicht besiedelten Ballungsräumen einer zukünftig hochgradig urbanisierten Welt.

Unsere Sicherheitsstandards

Warum ist das Verfahren von Marvel Fusion sicher?

Der Laser im Kraftwerk kann zu jedem Zeitpunkt gestoppt werden, indem einfach die Energiezufuhr unterbrochen wird; sobald der Laser gestoppt ist, hört die Reaktion auf. Damit ist bei der Trägheitsfusion eine weitere Kettenreaktion unmöglich und auch kein Meltdown-Risiko vorhanden. Eine Anlage zur Trägheitsfusion ist aus diesem Grund am ehesten mit einer Beschleunigeranlage zu vergleichen, wie sie zum Beispiel in der Krebstherapie verwendet wird. Die Sicherheitsauflagen der Behörden sind vergleichbar, und daher könnte man eine solche Anlage sogar direkt an Wohngebiete angrenzend sicher betreiben.

Welche denkbaren Unfälle können vorkommen, die die Bevölkerung betreffen würden und wie wird dies verhindert?

Ein Strahlengau kann es nicht geben. Wir entwickeln die Anlage entsprechend der EU Maschinenrichtlinie. Am Anfang steht eine Risikoanalyse, aus der dann die verschiedenen Risiken abgeleitet werden. Nach derzeitigem Stand können wir aus dem normalen Betrieb oder einem Anlagenversagen keine Auswirkungen für die Bevölkerung erkennen.
Ein Feuer würde uns in unserem wirtschaftlichen Zeitplan zurückwerfen, würde jedoch ebenfalls keine Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Es entstünden ähnliche geringe Risiken wie bei Strahlentherapiezentren oder elektrotechnischen Anlagen mit ähnlicher Anschlussleistung. Die Fusionsreaktionen selbst können wir innerhalb einer Zehntelsekunde stoppen – indem wir den Laser ausschalten, dann steht auch die Fusionsreaktion im Kraftwerk still. Wenn der Laser aus ist, ist keine Fusion möglich.
Im unwahrscheinlichen Fall eines Flugzeugabsturzes würde zwar unsere Anlage zerstört, aber es entstünden dabei keine radioaktiven Emissionen. Auf dem Grundstück sollten die Rettungskräfte jedoch mit Radioaktivität vertraut sein. Dazu wird es Abstimmungen mit der lokalen Feuerwehr geben.

Woher kommt die Radioaktivität in dem Fusionskraftwerk?

Zunächst einmal ist wichtig festzuhalten, dass die von Marvel Fusion verwendete Technologie für die Gesundheit und Umwelt unbedenklich ist. Von der radiologischen Einstufung her ähnelt eine Trägheitsfusionsanlage einer Krebstherapieanlage, zum Beispiel dem Westdeutschen Protonentherapiezentrum in Essen oder jedem anderen Protonentherapiezentrum. Bei der Trägheitsfusion trifft ein Protonenstrahl auch auf Anlagenteile, wobei eine geringe Radioaktivität entsteht. Im Fall von Marvel Fusion trifft ein lasergetriebener Protonenstrahl auf Bor und soll damit eine Fusionsreaktion auslösen. Borverbindungen werden z.B. in der Waschmittelindustrie in großtechnischem Maßstab eingesetzt und sind radiologisch ungefährlich.

Wie werden anfallende Abfälle entsorgt?

Die verwendeten Materialien in dieser Anlage sind vergleichbar mit denen in der medizinischen Strahlentherapie und werden ähnlich aktiviert wie dort. Nach heutigem Kenntnisstand wird die meiste Radioaktivität innerhalb von wenigen Wochen unter die entsprechenden Grenzwerte abgeklungen sein. Für aktivierte Teile halten wir einen Lagerraum vor, um die Abklingzeit abzuwarten. Selbstverständlich erfolgt keine Freigabe von radioaktivem Material bevor nicht eine Freimessung stattgefunden hat. Sollte trotz Wartezeit ein Gerät nicht freigegeben werden können, wird es entsprechend der Strahlenschutzverordnung an genehmigte Betriebe zur Reparatur oder Verwertung übergeben. Mit den Erfahrungswerten aus der Protonentherapie wird die Aktivierung unserer Materialien jedoch eher gering ausfallen. Wir werden Prozesse haben, um die Aktivierungen vorherzusagen und ggf. Geräte rechtzeitig austauschen zu können.

Wie werden die abgestrahlten Alpha-Teilchen zur Energiegewinnung kontrolliert? Mit welcher Effizienz?

Alphateilchen sind elektrisch geladen und induzieren durch ihre Bewegung in einem magnetischen Feld elektrischen Strom. In unserer zweiten Anlage Antares werden wir unter anderem die Effizienzsteigerung der Energiegewinnung auf diesem Weg entwickeln. Wir rechnen mit 50% Effizienz, und wollen gerne eine Effizienzsteigerung auf ca. 80% erreichen. Im Umkehrschluss heißt das auch, dass wir die übrigen 20%-50% der Energie auf thermischen Weg über eine Kraft-Wärme-Koppelung umwandeln müssen. Erste Konzepte hierzu wollen wir in Proxima entwickeln.

Wie wird die Kontrolle der Alpha-Teilchen konkret gehandhabt?

Die abgestrahlten Alpha-Teilchen werden jederzeit komplett unter Kontrolle sein. Bei uns sind die Alphateilchen direkte Reaktionsprodukte, also Teilchenstrahlung. Sie entstehen nur während der Fusionsreaktion.
Sie treffen z.B. auf die Vakuumkammerwand auf, werden dort komplett gestoppt und erzeugen sekundäre Strahlung. Diese Sekundär-Strahlung wird bei unseren Aktivierungsrechnungen und den Abschirmrechnungen berücksichtigt.

Welches radioaktive Material wird verwendet?

Auf dem Weg, unseren Fusionsprozess mit Wasserstoff und Bor zu entwickeln, könnten wir auch geringe Mengen Tritium einsetzen. Der TÜV Süd hat in seinem Gutachten bereits bestätigt, dass auch der Einsatz von Tritium genehmigt werden kann. Das Landesamt für Umwelt hat mit uns auch schon Maßnahmen besprochen, um alle Grenzwerte auch in den Ableitungen einzuhalten oder zu unterschreiten.

Kann der Einsatz von Tritium für die Bevölkerung gefährlich werden?

Nein. Unsere Prozesse mit Tritium sind auf Rückgewinnung ausgelegt. Jegliche Emissionen werden unterhalb der Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung sein. Damit ist ein Risiko für die Bevölkerung ausgeschlossen.

Welche Rolle spielt der Stoff Tritium beim Prozess von Marvel Fusion?

Für die Entwicklung unserer Technologie ist es wichtig, so viele Optionen wie möglich erproben zu können. Auf dem Weg dorthin sind wissenschaftliche Tests im begrenzten Umfang auch mit Tritium möglich. Die Mengen, die wir dafür vorhalten, sind jedoch sehr gering und liegen bei maximal 0,1 g. Bei der Berechnung der Halbwertszeiten und bei der Genehmigung des von uns verwendeten Materials arbeiten wir eng mit dem Landesamt für Umwelt zusammen und stimmen uns eng ab. Insbesondere planen wir eine Rückgewinnung von Tritium, so dass dieses wenn überhaupt, dann nur unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte abgeleitet wird.

Im Gutachten des TÜV ist die Rede davon, dass mehr als 10 hoch 12 Neutronen erzeugt werden könnten: Wie viele Neutronen sollen nach dieser Verfahrensvariante erzeugt werden? Stellt dies eine Gefahr für die Bevölkerung dar?

Der Grund für die Nennung von „mehr als 10 hoch 12 Neutronen pro Sekunde“ liegt in §10 des Strahlenschutzgesetzes: Ab dieser Grenze ist die Errichtung der Anlage genehmigungspflichtig, und nicht nur der Betrieb. Für Marvel Fusion bedeutet das, dass wir bereits für den Bau der Anlage eine strahlenschutzrechtliche Genehmigung brauchen, und deshalb alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen mit dem Landesamt für Umwelt im Vorfeld abstimmen können, dürfen und müssen. Das gibt uns und dem Standort zusätzliche Sicherheit, dass alles in geordneten Bahnen läuft. Selbstverständlich wird die Abschirmung der Neutronen und Röntgenstrahlen so sein, dass die Grenzwerte für die Bevölkerung bereits an unserer Grundstücksgrenze erreicht bzw. unterschritten werden. Die Bevölkerung ist also keiner Gefahr ausgesetzt.

Wie genau entstehen die Neutronen und wie werden sie kontrolliert?

Der Beschuss der Targets mit den Lasern erzeugt geladene und nicht geladene Teilchen sowie Röntgen- und Gamma-Strahlung. Durch das Auftreffen dieser Strahlung auf andere Materialien entstehen dann weitere Neutronen als Sekundärstrahlung. Wir erwarten deutlich weniger Neutronen als in Krebstherapieanlagen, wie zum Beispiel in der Protonentherapie.
Diese Neutronenstrahlung wird natürlich auch in unseren Aktivierungsrechnungen und Abschirmrechnungen berücksichtigt. Unser Personal, die Bevölkerung und auch die Umwelt werden durch unsere Abschirmmaßnahmen wirksam geschützt.

Marvel Fusion plant die Anwendung eines gänzlich neuen Verfahrens. Handelt es sich nicht hier um eine ganz neue Fahrerlaubnisklasse, für die die Regeln erst geschaffen werden müssen?

Diese Frage haben wir uns auch gestellt und von mehreren Seiten prüfen lassen. In Summe gibt uns das Gutachten des TÜV Süd die Sicherheit, dass wir die Genehmigung anhand bestehender Regeln erreichen können. Dabei wird die „Fahrerlaubnisklasse“ – also das Genehmigungsverfahren – durch §10 und §12  des Strahlenschutzgesetzes festgelegt.
Damit ähnelt das Genehmigungsverfahren dem einer Teilchen-Beschleunigeranlage, wie beispielsweise einem Protonentherapiezentren. Diese Verfahren sind bewährt, bauen auf bestehende Regeln, Normen und Grenzwerte auf, die unsere Vorhaben sehr gut abdecken.

Wie ist der aktuelle Stand der konkreten Erwartungen zur Energiebilanz von Marvel Fusion (Input/Output)?

Unser Zielwert für die ausgereifte Technologie ist ein Output, der mindestens 50x über dem Input liegt. Die Prototyp-Folgeanlage „Antares“ wird erstmalig einen Netto-Energiegewinn, also Q >1 erreichen und durch Optimierung der Parameter an unseren Zielwert angenähert.

Wie lässt sich für die Öffentlichkeit Sicherheit darüber gewinnen, dass hier nicht verdeckt für Rüstungszwecke geforscht wird und auch gewonnene Forschungsdaten nicht für Rüstungszwecke weitergegeben werden?

Marvel Fusion verfolgt ausschließlich die wirtschaftliche Nutzung von Fusion als neuartigen CO2-freien Energieträger, um durch eine neue Art von kompakten Energiequellen eines der Hauptprobleme der menschlichen Zivilisation, die zunehmende Erderwärmung, zu stoppen. Die Geschäftsführung und Investoren unterstützen keine Militärforschung oder jedwede militärische Anwendungen der Laserquellen sowie der plasmaphysikalischen Untersuchungen.

Welche Maßnahmen und Verpflichtungen geht Marvel Fusion ganz konkret ein, um eine militärische Anwendung aktiv auszuschließen?

Management und Investoren von Marvel Fusion haben sich zu 100 Prozent der Energiegewinnung verschrieben und lehnen Waffenforschung ab. Unsere Genehmigungsverfahren schließen Militär- und Rüstungsforschung als Tätigkeitsgebiet kategorisch aus.
Hinzu kommt auch ein Argument auf der rein technischen Seite: Der von Marvel Fusion bei der Fusionsenergie verwendete technische Weg mit Kurzpulslasern wurde nie von der militärischen Forschung verfolgt. In Japan, das bekanntlich die Entwicklung von Atomwaffen vehement ablehnt, nutzt man unser Verfahren hingegen sehr wohl, zum Beispiel an der Osaka University.

Welche Industrieabwässer mit welcher Temperatur sind in welcher Menge zu erwarten? Wie wird gegebenenfalls die Abgabe von Tritium an die Umwelt verhindert?

Es entstehen keine Industrieabwasser. Tritium wird in der Vakuumkammer eingesetzt, und kann von daher nicht in das Abwasser gelangen. Für die Abluft aus der Vakuumkammer planen wir Restgasanalyen und eine Rückgewinnung von Tritium.

Zum Standort Penzberg

Wieso fiel die Wahl für den Standort auf Penzberg?

Marvel Fusion ist ein bayerisches Unternehmen. Wir wollen in Bayern bauen und die besten ForscherInnen und UnternehmerInnen der Welt ins Münchner Umland bringen. Im Penzberger Nonnenwald haben wir einen Untergrund ohne Vibrationseigenschaft gefunden, was für die aktuelle Lasergeneration ideal ist. Die Tatsache, dass sich das Pharmaunternehmen Roche als großes ortsansässiges Unternehmen in Penzberg niedergelassen hat, spricht zudem für eine hohe Affinität und Aufgeschlossenheit der BürgerInnen der Stadt für innovative, wissenschaftsgetriebene Unternehmen.

Wie viel Geld wird "Marvel Fusion" für den ersten Schritt (Demonstrationsanlage Proxima) in Penzberg investieren?

In die Demonstrationsanlage werden wir ca. 200-300 Millionen Euro investieren. Ein weiterer Wert für die Stadt wird aber natürlich auch in Form neuer Arbeitsplätze entstehen: Bis 2023 beabsichtigen wir ca. 150 neue Arbeitsplätze in Penzberg zu schaffen, bis 2028 planen wir hier sogar mit 500 neuen Jobs für Penzberg.

Wie stark und in welchen Bereichen will Marvel Fusion in den kommenden Jahren wachsen?

Aktuell beschäftigen wir rund 30 Mitarbeiter. Zur Inbetriebnahme der ersten Anlage in 2023 werden es ca. 150 Mitarbeiter, bis 2028 ca. 500 Mitarbeiter sein. Rund die Hälfte der Mitarbeiter werden Ingenieure sein, ein Viertel Physiker und ein weiteres Viertel administrative Berufe. Aktuell stellen wir vor allem Physiker und Ingenieure in den für uns relevanten Gebieten ein.

Wie viel Geld wird "Marvel Fusion" für den zweiten Schritt (Prototyp Antares) in Penzberg investieren?

In Antares werden wir ca. 1,5 bis 2 Milliarden Euro investieren.

Was passiert mit dem Standort Penzberg, wenn das Ziel erreicht sein sollte? Oder wenn es keinen Erfolg geben wird?

Zunächst einmal gehen wir fest davon aus, dass unser Plan aufgeht und eine völlig neuartige, klimafreundliche Energiequelle am Standort Penzberg ihren Durchbruch feiern wird, die Penzberg zu einem führenden Hightech-Standort Europas machen wird. Die jüngsten Durchbrüche in der wissenschaftlichen Forschung an führenden Einrichtungen in den USA und Europa bestärken uns darin.
Für den Fall, dass wir unser Vorhaben nicht so schnell realisieren können, werden wir die Anlage als internationales Laserentwicklungszentrum für moderne, hocheffiziente diodengepumpte Laser mit hoher mittlerer Leistung und deren Anwendung in der Industrie und Forschung etablieren. Bereits während des Aufbaus der ersten Anlage arbeiten wir neben der Lasertechnologie an weiteren Schlüsseltechnologien wie z. B. Künstliche Intelligenz / Machine Learning, Robotic und Datenverarbeitung im Bereich der Superrechenleistung. Damit etablieren wir Hightech am Standort Penzberg.

Ist der Rückbau der Anlage auch für den Fall gesichert, dass das Unternehmen pleite geht oder bleibt dann die Stadt Penzberg auf den Kosten sitzen?

Wir gehen nicht von einem Scheitern aus. Aber für den Fall, dass wir das Ziel der Energieerzeugung nicht erreichen sollten, werden wir die Anlage als internationales Laserentwicklungszentrum für moderne, hocheffiziente diodengepumpte Laser mit hoher mittlerer Leistung und deren Anwendung in der Industrie und Forschung etablieren.
Doch wissenswert ist auch, dass es zu den Aufgaben des Landesamt für Umweltschutz gehört einen möglichen Rückbau auch für den Fall einer Insolvenz durch den Betreiber finanziell absichern zu lassen. Daraus werden dann Auflagen an uns entstehen, die  wir selbstverständlich erfüllen werden.

Wie viele Arbeitsplätze entstehen in Penzberg? Ist mit Zuzug zu rechnen?

Zur Inbetriebnahme der ersten Anlage in 2023 werden es ca. 150 Mitarbeiter, bis 2028 ca. 500 Mitarbeiter sein.

Wie lange wird sich die Forschung hinziehen?

Wir planen die Forschungsanlage in 2023 in Betrieb zu nehmen. Diese Anlage bietet uns die Möglichkeit die weiteren wissenschaftlichen Tests, die bis zur Energiegewinnung notwendig sind, durchzuführen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind die Basis für den Bau und die Inbetriebnahme der „Proof of Concept Anlage“ Antares. Das ist bis 2028 geplant. Danach sollen die ersten Kraftwerke gebaut werden.

Wie hoch sind die Strommengen, die für den Vorgang benötigt werden und was bedeutet dies für die Infrastruktur der Stromversorgung im Nonnenwald? Sind die Voraussetzungen für Proxima und Antares hier die gleichen?

Wir benötigen einen Mittelspannungsanschluss (20 kV) von ca. 3MVA. Unser Generalplaner hat sich bereits mit dem  lokalen Energieversorgungsunternehmen in Verbindung gesetzt und es besteht für diese Leistung ausreichend Kapazität. Ungefähr die Hälfte der Anschlussleistung benötigen wir für die Laser und den anderen Teil für die Kühlung der Reinräume sowie Prozesstechnik. Da wir in der MDF noch keine Energie in das Stromnetz einspeisen werden, wird unsere tatsächlich verbrauchte elektrische Leistung im Wesentlichen wieder weg gekühlt. Hierfür ist es allerdings wichtig zu verstehen, dass wir die 3MVA nur in der Spitzenlast brauchen; im Dauerbetrieb deutlich weniger. Die Voraussetzungen für Antares ergeben sich aus dem Betrieb der Demonstrationsanlage, werden aber sicherlich in einem Bereich liegen, der realisierbar ist.

Werden Sie für Ihren kompletten Bedarf genügend Platz auf dem in Verhandlung stehenden Grundstück in Penzberg finden? Oder wie viel Platz benötigen Sie zusätzlich?

Das Grundstück in Penzberg ist nach aktueller Planung ausreichend für die Errichtung von Proxima und Antares.

Wie sieht die Energiebilanz im aktuellen Entwicklungsstadium aus? Wie sieht der Gesamtprozess inklusive der Input- und Output-Energien aus?

Für den Bau und Betrieb der Demonstrationsanlage Proxima verbrauchen wir Energie, erst mit Antares werden wir einen Energieüberschuss erzeugen.

Welchen Wert wird Marvel Fusion als künftiges Penzberger Unternehmen auf das kommende Jahreszehnt hin für die Stadt schaffen?

Neben den Einnahmen für die Stadt Penzberg und den neu geschaffenen Arbeitsplätzen entwickeln wir Penzberg zu einem neuen Hightech Standort in Deutschland, vor allem für die Bereiche Lasertechnik, Robotik, künstlicher Intelligenz und Big Data. Zusätzlich werden wir weitere Lieferanten anziehen die sicherlich schon früher Einnahmen generieren und Aufträge an schon heute in Penzberg ansässige Unternehmen vergeben (z.B. während der Bauphase).

Was passiert, wenn sich der aktuelle Stand zur Risikobewertung ändert? Rückzug, Erstattung der Infrastrukturkosten der Stadt Penzberg?

Die Risikobewertung wird sich nichts ändern, da wir in unserer Planung bereits weit fortgeschritten sind.

Wie genau wird die Kühlung der Anlage durchgeführt? Könnte man die verbrauchte Energie sinnvoll und ökologisch sauber nutzen?

Die komplette Kühlleistung von ca. 1500 kW soll über trockene Rückkühler auf dem Dach der MDF geleistet werden. Da wir unseren Experimentierbetrieb nicht dauerhaft betreiben, schwankt die abgegebene Kühlleistung enorm. Bei Protonentherapieanlagen ist die Kühllast im gleichen Rahmen aber um einiges konstanter als bei uns. Auch dort wurde die Rückgewinnung als unwirtschaftlich eingestuft.

Das Unternehmen

Wer treibt die wissenschaftliche Entwicklung von Marvel Fusion voran?

Das Team von Marvel Fusion besteht aus international renommierten Wissenschaftlern, hervorragenden Ingenieuren und erfolgreichen Unternehmern, u.a. Gerard Mourou/Physik-Nobelpreisträger 2018, Georg Korn/ELI Prag, Mike Dunne/SLAC Stanford, Ed Moses/Edward Teller Award 2009, Markus Roth/TU Darmstadt, Constantin Häfner/Direktor Fraunhofer Institut ILT, Moritz von der Linden/CRX Markets AG). Dieses Team arbeitet darüber hinaus mit einem Netzwerk der wichtigsten weltweiten Forschungsinstitute (LMU, Princeton, Rochester, Oxford, Imperial).

Wer sind die Investoren?

Zu unseren Investoren zählen unter anderem der Fond BlueYard Capital, Albert Wenger (er hat privat investiert, ist in der Öffentlichkeit aber vor allem als Managing Partner des New Yorker Fonds Union Square Ventures bekannt) sowie private Business Angels.

Will Marvel Fusion auch staatliche Fördermittel einwerben? Falls ja, welche?

Zunächst einmal möchten wir feststellen, dass die Finanzierung für die Demonstrationsanlage Proxima gesichert ist. Bei der weiteren Finanzierung unserer Pläne orientieren wir uns natürlich in alle Richtungen und schließen auch staatliche Fördermaßnahmen nicht aus. Wir stehen auch im Austausch mit der bayerischen Regierung, die uns ihre Unterstützung zugesichert hat.

Was wird eine Kilowattstunde Strom aus einem Fusionskraftwerk einmal kosten?

Wir streben einen Preis von 5 cent / kwh als langfristiges Ziel an. Wir werden zwar erst 2030 in den Strommarkt eintreten, aber rechnen damit, dass wir dann einen sehr kompetitiven Strompreis im Markt anbieten können. Hinzu kommen weitere Vorteile wie, dass der Strom CO2-frei und sicher ist.

Wie unterscheidet sich das Verfahren von bisherigen Anbietern/Verfahren im Markt?

Marvel Fusion ist das einzige privatwirtschaftliche Unternehmen in Europa, das die lasergetriebene Trägheitsfusion nutzt. Dieser Ansatz ist skalierbarer und flexibler als bisherige Verfahren und wird möglich durch neueste Entwicklungssprünge bei Lasersystemen mit Ultrakurzpulsen, hohen Intensitäten und hohen Repetitionsraten, sowie bahnbrechenden Entwicklungen in der Nanotechnologie.

Wie sieht sich Marvel Fusion im Wettbewerb zur Konkurrenz, wie zum Beispiel TAE Technologies oder HB11 Energy?

Unser Ansatz basiert auf bahnbrechenden Innovationen der Laser- und Nanotechnologie, so dass wir als Startup maßgeblich von einer nun ausgereiften Technologie profitieren. Zusammen mit einem neuartigen Physikansatz sind wir sehr zuversichtlich, dass wir als erste diesen Proof of Concept schaffen werden. TAE Technologies basiert auf einer fundamental anderen Technologie, die von keiner vergleichbaren Treibertechnologie profitiert. HB11 Energy ist ebenfalls noch ein Startup, das trotz Patenten bisher keinen Geldgeber finden konnte und somit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Wieso kann Marvel Fusion innerhalb von so kurzer Zeit mit diesem Prozess Energie in das Netz zurückspeisen, wenn es andere Jahrzehnte lang nicht geschafft haben?

Verschiedene Innovationssprünge in Schlüsseltechnologien, insbesondere der Lasertechnologie machen das möglich. Die kontinuierliche Verbesserung der Laser-Spitzenleistung nach Moore’s Law, sowie die schnell steigende Repetitionsrate von hochintensiven Lasersystemen erreichen erstmals das Level für kommerzielle Fusionskraftwerke. Weiterhin profitiert Marvel Fusion von dem rapiden Kostenverfall von Dioden, dem Haupt-Kostentreiber der verwendeten Lasertechnologie.

Kann Marvel Fusion auch über die Erfahrungen in der bereits mit ähnlicher Technologie arbeitenden NIF (National Ignition Facility) im Lawrence Livermore National Laboratory im kalifornischen Livermore berichten?

Wir haben natürlich intensiven Kontakt Experten vom NIF am LLNL und unsere Daten auch mit Erfahrungswerten anderer Experten verglichen. Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass wir keine Aussagen über fremde Anlagen treffen.

Wie genau sollen Quantencomputer bei Marvel Fusion eingesetzt werden?

Zunächst einmal wollen wir KI-basierte Systemverbesserungen entwickeln, um große Datenmengen effizient zu verarbeiten. Das erlaubt uns die Laser-Plasmawechselwirkungen zu optimieren. Die Technologie der Quantencomputer steckt gerade noch in der Entwicklung und niemand weiß, wann sie wirklich verfügbar sein wird. Doch natürlich würde auch Marvel Fusion die Vorteile dieser Technologie nutzen, sollte sie denn in Zukunft zur Verfügung stehen.